Der Wallfahrtsort Malé Svatoňovice ( Klein Schwadowitz )

Der Name Svatoňovice stammt von Bartoloměj Svatoň, der seinen Wohnsitz in Zálesí (jetzt ein Teil des Dorfes Batňovice) hatte. Diese Festung genannt „Na Valech“ wird schon seit dem Jahre 1357 erwähnt. Der siebenfache Quellbrunnen, „Studánka“ („Schwadowitzer Brünnlein“) ist von jeher bekannt. Schon im Dreissigjährigen Krieg suchten hier die Menschen Zuflucht.


Zwischen zwei Hügeln des Faltengebirges (Jestřebí hory) Kyselá hora und Klůček entspringt aus sieben Felsspalten eine Quelle mit gutem, ständig laufendem Wasser, welches im Winter nicht gefriert. Dieses Wasser hat eine stabile Temperatur von acht Grad Celsius. Jede 10 Sekunden entspringen hier zwei Liter Wasser.


Zu Beginn des 18. Jahrhundert gehörte das Grundstück um die Quelle dem Bauer Václav Šrejber. Der wollte über dem Eingangstor seines Bauernhofes eine kleine Marien-Statue plazieren. Diese lies er vom lahmen Bauer Jan Karásek aus Odolov schnitzen und vom Maler Nývlt von Úpice (Eipel) malen. Leute, die an seinem Hofe zum Brunnen vorbei gingen, überzeugten Václav Šrejber, die Statue an den verdorrten Kirschbaum, der im strengen Winter im Jahre 1709 erfroren ist, zu hängen. Und so hängte der Bauer Šrejber ein Holzschränkchen mit der Marien-Statue am Sonntag des 27. Oktober 1715 auf den verdorrten Kirschbaum.


Fünf Tage danach erfolgte eine Heilung. David Dröschel aus Slavětín (Slatin) bei Radvanice (Radowenz) litt an Epilepsie; seine beide Beine und Hände waren gelähmt. Er träumte einen Traum, dass in Svatoňovice am Brunnen am dürren Kirschbaum eine Marien-Statue hängt. Eine Stimme forderte ihn auf hinzugehen, das Wasser zu trinken und sich damit zu waschen. Wenn er mit Vertrauen Jungfrau Maria um Hilfe bitten würde, Gott würde ihm Gesundheit schenken. Der Traum wiederhholte sich noch zweimal, und so lies er sich am Allerheiligenfeste den 1. November 1715 im Schubkarren zum Schwadowitzer Brünnlein fahren. Er wusch sich mit dem Wasser ab und trank es, inbrünstig betete er zu Maria und wurde wirklich gesund. Nach Hause ging er schon zu Fuss. Nach der Heilung arbeitete er ohne jedes Zeichen von seiner ehemaligen Krankheit noch zwanzig Jahre in Trutnov (Trautenau).


Ein Jahr nach dem ersten Wunder, genau sieben Jahre nach dem verdorren des Kirschbaumes, am Feste von Johannes des Täufers den 24. Juni 1716 erblühten sieben Zweige des Kirschbaumes und drei Monate danach, am Feste des heiligen Wenzels, erröteten an dem Baum Kirschen.


Diese Ereignisse verbreiteten die Berühmtheit des Brünnleins insofern, dass die Fürstin Anna Viktoria Ludmila Piccolomini de Arragona, Herzogin von Amaplphi, Inhaberin der Herrschaft in Náchod, im Jahre 1732 über dem Brunnen eine Barockkapelle erbauen lies. Der Kirschbaum wurde gefällt und die kleine Statue in der Kapelle plaziert. Für das Grundstück bietete die Herrschaft dem Bauer Šrejber die herrschaftliche Wiese unterhalb der Kirche in Zálesí an. Das erworbene Grundstück wurde zuteil dem kirchlichem Bau, dem Bau des Badgebäudes und dem Bau des herrschaftlichen Gasthauses zur Verfügung gegeben.


Im Jahre 1733 begann man mit dem Bau der Wallfahrtskirche. Das Presbyterium war gemauert, das Schiff von hölzernen Balken gezimmert. Schon am 30. Mai wurde die Kirche den Sieben Freuden Jungfrau Mariens geweiht. Die kleine Statue wurde auf den Hauptaltar übertragen.


Das Entstehen des Wallfahrtsortes ist historisch bestätigt. Die Historie des Wallfahrtsortes hat der herrschaftliche Rentmeister und nachheriger Hauptverwalter der Herrschaft von Náchod, David Antonín Nývlt (Neiwelt, Nywelt, 1696 – 1772) niedergeschrieben. Schon im Jahre 1736 wurde in Prag das in tschechischer Sprache geschriebene Buch „Prospěšný potok vod“ (Nutzbarer Wasserlauf) gedruckt.

Die Besuchermänge stieg ständig, die Geschäftsleute und Handwerker waren erfolgreich. Bald niederliessen sich hier ein paar Familien, ein Wasserkurort wurde errichtet. So enstanden Malé Svatoňovice (Klein Schwadowitz). Über die Atmosphäre der Schwadowitzer Wallfarhten schreibt die Schriftstellerin Božena Němcová in ihrem bekanntesten Werk Babička (Grossmutter).


Im Sommer kam der Schlosskaplan von Náchod hierher und lies den Pilgern jeden Tag die heilige Messe. Später wurde hier eine Fundatistenstelle errichtet, damit der Priester hier ständig anwesend ist. In den Jahren 1829 – 1831 wirkte hier P. Josef Regner Havlovický, der aus der Kronik „U nás“ von dem Schriftsteller Alois Jirásek bekannt ist. Zu dieser Zeit gehörte die Herschaft Náchod der Fürstin Kateřina Zaháňská (eine bekannte Person im Roman Babička (Grossmutter) von Božena Němcová).


Das von Holz erbaute Kirchenschiff war in schlechtem Zustand und reichte nicht mehr für den ständig wachsenden Pilgerstrom aus. Deshalb wurde der hölzerne Teil abgerissen und schom im Jahre 1831 ist das neu gemauerte Kirchenschiff vollendet worden.


Das Presbyterium ist das ursprüngliche aus dem Jahre 1733. Zur jetzigen Zeit steht in der Mitte des Presbyteriums der Hauptaltar der Sieben Freuden Mariens aus dem Jahre 1886. Die Architektur aller Altäre verfasste der Schreiner Kajetán Pejskar aus Police nad Metují, die Statuen gestaltete Ferdinad Demetze aus Sant Ulrych in Tirol.


Die kleine Statue der schwadowitzer Jungfrau Maria hat der gelähmte volkstümliche Schnitzer Bauer Jan Karásek von dem unweit entferten Odolov, im Jahre 1715 geschnitzt. Die ursprüngliche Polychromie der Statue vom Maler Václav Nývlt ist in der Hälfte des 20. Jahrhunderts modersnisiert worden. Zum ersten male wurde die Statue am 27. Oktober 1715 im kleinen Holzschränkchen auf den Kirschbaum aufgehängt. Von hierher stammt die Bezeichnung „Jungfrau Maria auf dem Kirschbaum“. Während der Kirchenweihe wurde sie auf den Altar übertragen. Das verzierte Fundament hat an der Vorderseite eine ovale Dose mit Reliquien des Heiligen Johann von Nepomuk. Dies wird den Pilgern zur Verehrung angeboten. Die Statue ist jetzt in einen neuzeitlichen Textilmantel gekleidet.


Verfasser der Kirchenfresken ist bis auf die sechste Ludvík Nejedlý von Nový Bydžov. Er fertigte sie im Jahre 1899:

Erste Freude: Mariä Verkündigung

Zweite Freude: Maria besucht Elisabeth

Dritte Freude: Jesu Geburt in Betlehem

Vierte Freude: Opferung des Herrn

Fünfte Freude: Der zwölfjährige Jesus im Tempel gefunden

Sechste Freude: Der auferstandene Jesus erscheint seiner Mutter (gefertigt im Jahre 1982 von Iva Beščecová)

Siebte Freude: Jungfrau Mariä Himmelfahrt und Krönung


Die Barockkapelle „Studánka (Brünnlein)“ stammt aus dem Jahre 1732. Das Innere der Kapelle wurde im Jahre 1907 nach dem Entwurf des Benediktiners von Emaus, Bruder Pantaleon Major, mit Mosaik bedeckt. Diese Darstellung der Jungfrau Maria wurde von der keramischen Fabrik in Rakovník gefertigt. Das gewölbte Interieur ist ein Bassin, das von der Ostseite durch sieben Öffnungen mit Wasser gespeist wird. Mit Hilfe von kleinen Rinnen läuft das Wasser in einen kleinen Trog an der Hinterseite und von dort überläuft es in das Reservoir. Eine eigenständige Rohrleitung führt das Wasser in den Vordergrund der Kapelle. Hier können die Pilger das Wasser trinken und es auch in die mitgebrachten Gefässe füllen.


Die Judas-Thaddäus-Kapelle vor der Sakristei wurde 1904 erbaut. Die Maria-Lourdes-Kapelle ist 1934 gebaut worden und im Jahre 1948 wurde dann die Lourdes-Grotte mit fliessendem Wasser errichtet. Der hiesige Fundatist Pater Nádvorník lies eine grosse Menge des versteinerten Araukarienholzes von dem Berg Žaltman (Hexenstein) hierher bringen.


Marienpark: Im Jahre 1891 wurde in der Gemeinde der „Verein zum Aufschwung des Wallfahrtsortes Malé Svatoňovice“ gegründet. Dank diesem Verein wurde am Hügel 200 M in nördlicher Richtung von der Kirche Der Marienpark angelegt. Hier befindet sich ein Komplex von sieben Kapellen mit Darstellung der sieben Freuden Mariens, sowie ein Kreuzweg, welcher mit der Gottesgrabkapelle beendet ist. Der Grundstein der Marienkapellen wurde 1892 gelegt und noch in dem selben Jahr standen hier schon sieben gemauerte Kapellen den Sieben Freuden Mariens geweiht. Im Jahre 1893 ist der Kreuzweg erbaut worden. Die Gottesgrab-Kapelle mit der Statue des toten Kristus aus Alabaster wurde 1903 von dem Bildhauer Antonín Sucharda aus Nová Paka gefertigt. In der Kapelle ist ebenso versteinertes Araukarienholz verwendet worden.


Im Jahre 1749 wurde über dem Brünnlein das Kirchendienerhäuschen gebaut. Dieses ist zur Zeit unbetretbar. Das Pfarrhaus – Wohnsitz der geistlichen Administration des Wallfahrtsortes Malé Svatoňovice - stammt, wie es am Sandsteinwappen festgeschrieben steht, aus dem Jahre 1892. Es handelt sich um eines der letzten erhaltenen Objekte, die als Administrationsgebäude der Herrschaft des Fürsten Schaumburg Lippe gebaut worden sind.